Eigene toxische Trigger erkennen: Wie uns gezielte Trauma-Arbeit heilen kann

Psychologie

Wenn die Seele ihre Erinnerungen über den Körper ausdrückt

Es gibt Situationen und Begegnungen m Leben, die sich nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper einprägen. Schlimme Erfahrungen, die sich nicht in Worte fassen lassen und ihren Ausdruck auf körperlicher Ebene suchen. Wie mit einem Kloß im Hals, einem Ziehen in der Brust oder einem flauen Gefühl im Bauch. Ganz oft sind es schon frühe emotionale Verletzungen, die tief unter unserer Oberfläche wirken. Ganz unabhängig davon, ob wir uns aktiv an sie erinnern oder nicht. Viele Erfahrungen haben wir nämlich gar nicht mehr wirklich präsent in unserem Kopf abgespeichert. Aber in unserer Seele die dann häufig ihren Weg über den Körper sucht, um gehört zu werden.
In der aktuellen Podcast-Folge von „What the Health!?“ spricht Carina Schwab mit mir über genau diese tief verborgenen Wunden in uns. Über toxische Trigger und darüber, wie uns eine gezielte Trauma-Arbeit dabei helfen kann, diese zu erkennen, zu verstehen und schließlich auch zu heilen.

Was sind toxische Trigger – und warum reagieren wir so stark?

Das Gespräch zwischen Carina und mir lädt dich zu einer achtsamen und liebevollen Selbstreflexion ein. Nicht im Sinne von Selbstoptimierung, sondern als behutsame Einladung zur Selbstbegegnung. Denn viele von uns leben tagtäglich mit ihren tief verankerten aber meist unbewussten emotionalen Reaktionen, die wir selbst gar nicht wirklich einordnen können. Hast du dir diese Fragen schon einmal gestellt?

💫      Warum fühle ich mich in bestimmten Situationen plötzlich wie gelähmt, ganz klein oder von anderen überwältigt?
💫      Warum fahre ich in Beziehungen zu bestimmten Menschen manchmal wie aus dem Nichts hoch oder ziehe mich abrupt zurück?
💫      Warum wiederholen sich bestimmte Muster in meinem Leben immer wieder, obwohl ich eigentlich längst verstanden hätte, woher sie kommen?

Unsere toxischen Trigger sind keine bewussten Entscheidungen, die wir in unserem Leben absichtlich treffen, sondern biografisch abgespeicherte individuelle Reaktionsmuster. Sie entstehen immer dann, wenn wir in unserer frühen Kindheit, oft sogar noch vor unserer bewussten Erinnerung, Erfahrungen machen, die unser Nervensystem überfordern. Diese können ganz unterschiedlich aussehen: eine emotionale Vernachlässigung, übermäßiger Leistungsdruck dem wir glauben gerecht werden zu müssen, emotionaler oder körperlicher Missbrauch oder auch subtilere Formen wie beispielsweise eine chronisch fehlende emotionale Resonanz. All das prägt unser System für den Rest unseres Lebens ganz maßgeblich. Und das nicht nur seelisch, sondern auch neurobiologisch.

Wenn Kindheitserfahrungen lebenslang wirken

In der frühen Kindheit sind wir noch zutiefst abhängig von einem sicheren emotionalen Gegenüber. Ansonsten wären nicht gar nicht lebensfähig. Wir brauchen ein Nervensystem, das uns reguliert, beschützt und spiegelt. Bleibt diese emotionale Co-Regulation aber aus, etwa weil unsere wichtigste Bezugsperson selbst überfordert oder emotional für uns nicht erreichbar ist, speichert unser kindliches System die Informationen ab „Ich bin allein. Ich bin nicht sicher. Ich bin nicht richtig und deshalb auch nicht wichtig.“

Aus diesen frühen Erfahrungen entstehen dann unsere sogenannten dysfunktionalen Schemata. Innere Muster, wie wir fortan uns selbst, andere und die gesamte Welt wahrnehmen. Und daraus entwickeln sich dann unsere tief verankerten Glaubenssätze, die auf unbewusster Ebene unser Leben lang wirksam bleiben können:

✨ Ich bin nicht gut genug.

✨ Ich muss immer besonders viel leisten, um geliebt zu werden.

✨ Gefühle sind für mich gefährlich oder Gefühle sind unerwünscht.

✨ Ich darf keine eigenen Bedürfnisse haben.

✨ Ich bin für andere zu viel

✨ Ich bin nicht liebenswert, so wie ich bin.

Diese Glaubenssätze bilden wir uns auch nicht einfach nur ein. Sie sind der Ausdruck vieler kleiner Mikrotraumata, die wir in unserer Kindheit erlebt und seelisch abgespeichert haben. Denn nicht jedes Trauma ist laut oder spektakulär. Manchmal ist es ganz besonders auch das, was nicht passiert ist. Kein liebevoller Trost von Mama und Papa wenn es uns nicht gut gegängelt ist, keine behutsame Beruhigung, kein echtes Gesehenwerden. Und all‘ diese subtilen, aber emotional sehr tiefgreifenden Erfahrungen wirken in uns dann weiter wie unsichtbare Narben.

Unser Körper erinnert sich – auch wenn wir selbst es nicht tun

Diese frühen Prägungen hinterlassen Spuren in uns, die sich später in Form von Ängsten, Überanpassung, Beziehungsproblemen, chronischer Erschöpfung oder psychosomatischen Beschwerden zeigen können. Denn unser Körper trägt, was unser Kopf oft längst vergessen hat, respektive ins Unbewusste verdrängt hat. Unser Nervensystem erinnert sich ein Leben lang an alle Erlebnisse. Jedoch nicht über Worte, sondern über (Ver-)Spannungen, emotionale Reaktionen und unbewusst abgespeicherte Schutzmechanismen.

Viele Menschen, die zu mir in die Praxis kommen, haben schon eine sehr lange emotionale Reise hinter sich. Sie haben in ihrem Leben schon ganz viel verstanden, reflektiert und gelesen. Aber trotzdem spüren sie in sich, dass bestimmte Muster trotzdem immer weiterwirken. Und genau hier setzt die liebevoll-behutsame Trauma-Arbeit an: nicht im Denken, sondern im Fühlen.

Trauma-Arbeit: Begegnung statt nur Analyse

Trauma-Arbeit bedeutet nicht, jahrelang in der Vergangenheit zu wühlen oder Schuldige zu benennen. Nein, es geht vielmehr um die bewusste und liebevolle Selbstbegegnung. Denn wenn wir erkennen, dass unsere heutigen Trigger unsere eigenen inneren Kind-Anteile berühren, können wir beginnen, nicht gegen mehr länger gegen sie anzukämpfen, sondern sie endlich zu verstehen. In diesem Moment beginnt dann der tatsächliche Heilungsprozess. Nach dem bewussten Erkennen und Verstehen.

Wir sprechen im Podcast darüber, wie wichtig es ist, das Nervensystem zu regulieren – nicht nur über Gespräche, sondern über den Körper. Über Atmung, achtsame Berührung, somatische Techniken und sichere Beziehungsräume. Denn unser System braucht keine intellektuelle Lösung – es braucht Sicherheit.

Zwischen Wissen und Integration

Viele Menschen haben auch schon seit vielen Jahren ein tiefes kognitives Verständnis ihrer eigenen Geschichte: „Ich weiß, dass mein Vater emotional abwesend war.“ oder „Ich weiß, dass ich mich immer anpassen musste und nie Schwierigkeiten machen durfte, um nicht bestraft zu werden.“ Aber: Dieses Wissen allein führt selten zu unserer tatsächlichen inneren Heilung. Erst wenn wir beginnen, emotional zu erleben, was uns damals gefehlt hat und wir in der Lage sind zu lernen uns genau das heute selbst zu geben entsteht ein neuer, heilsamer innerer Boden, auf den wir sukzessive weiter aufbauen können.

Die Rolle von Bindung und Beziehung

Wir sprechen in unserem Podcast auch darüber, wie unsere frühen Bindungserfahrungen aus unserer Kindheit bis heute unsere Beziehungen prägen. Wer zum Beispile schon sehr früh gelernt hat, dass Nähe gefährlich oder unzuverlässig ist, entwickelt häufig sehr ambivalente spätere Beziehungsmuster - jemand sehnt sich nach einer tiefen emotionalen Verbindung, hat aber gleichzeitig große Angst vor seelischen Verletzungen und zieht sich immer wieder zurück. Es gibt auf der einen Seite also den großen Wunsch nach Nähe und Lieb, stößt diese aber unbewusst immer wieder weg. Und fühlt sich dann verletzt, wenn der Partner das Spiel nicht versteht und keine Nähe mehr sucht. Weil er durch das Wegstoßen ja auch selbst immer wieder emotional verletzt wird. Und so seine eigenen unbewussten Schutzmechanismen aktiviert werden.
Solche Dynamiken entstehen aber natürlich niemals aus bösem Willen, sondern immer aus alten Schutzmechanismen, die auf emotionaler Ebene früher einmal überlebenswichtig für uns waren.

Wie sich toxische Trigger im Alltag zeigen können

Toxische Trigger schleichen sich meist ganz unbemerkt in unseren Alltag. Vielleicht erkennst du dich in einem der folgenden Beispiele wieder:

✨ Du gerätst immer gleich in Stress, wenn dir jemand nicht sofort auf deine Nachrichten zurückschreibt, und fühlst dich in deinem inneren verlassen und unbeachtet.

✨ Du reagierst relativ schnell wütend impulsiv, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst – ohne dabei jemanden verletzen zu wollen, sagst du Dinge, die du gar nicht so meinst.

✨ Du passt dich in Gruppen immer übermäßig an, obwohl du dich danach innerlich leer und unbeachtet fühlst.

Diese Reaktionen sind aber keineswegs „Schwächen“ von dir. Sie sind lediglich Spuren alter emotionaler Prägungen, die behutsam und liebevoll erforscht werden wollen.

Der Weg der Heilung: Sanft und individuell.

Die gute Nachricht ist unser Nervensystem ist plastisch. Es kann also lernen, sich neu zu regulieren.
Heilung bedeutet dabei nicht, dass deine Vergangenheit gelöscht wird, sondern dass sie dich nicht länger unbewusst steuern kann. Damit meine ich, dass du heute Entscheidungen treffen kannst, die nicht mehr länger von deinen alten kindlichen Überlebensstrategien geleitet werden, sondern aus deinem eigenen inneren Ich kommen.

Drei heilsame Impulse für deinen Alltag

✨ Nimm dir täglich mindestens eine Minute Zeit, um ganz bewusst deinen Körper zu spüren. Lege dabei eine Hand auf dein Herz und eine auf deinen Bauch und gebe dir so selbst das Gefühl von Liebe und sicherer Geborgenheit.

✨ Erkenne deine Trigger als Einladung zur Selbstbegegnung, nicht mehr länger als Zeichen von Schwäche. Lerne daraus und gehe liebevoll mit deinen Triggern um. Sie wollen dir zeigen wo du noch innere Wunden hast die geheilt werden wollen.

✨ Erinnere dich an innere Bilder von Geborgenheit und Liebe. Orte, Menschen oder Momente, die dir früher Sicherheit gegeben haben. Ein Stück Kuchen bei deiner Oma in der Küche, eine Sandburg auf Urlaub mit deiner Familie. Ein Moment den du bis heute als wunderschön und sicher in dir abgespeichert hast.

Diese kleinen Rituale können dir nämlich helfen, dein Nervensystem zu beruhigen und zugleich neue emotionale Erfahrungen zu verankern. Schritt für Schritt, mit viel Geduld und einer behutsamen liebevollen Begleitung aus deinem eigenen Ich heraus.

Toxische Trigger sind keine Schwäche – sie sind ein Wegweiser

Toxische Trigger sind keine lebenslangen Urteile. Sie sind Einladungen. Wenn wir bereit sind, ihnen zuzuhören, können wir von ihnen lernen, uns selbst mit anderen Augen zu sehen. Nicht mehr als „zu viel“, „zu empfindlich“ oder „zu kompliziert“, sondern als ganz feinfühlige Wesen mit einer Geschichte, die gehört werden will. Eine Geschichte die uns unsere Seele erzählen möchte um heilen zu können.

Ich lade dich ganz herzlich ein, in diese Podcast-Folge einzutauchen. Vielleicht erkennst du dich wieder. Vielleicht wird sogar etwas in dir berührt, das du schon ganz lange vergessen hast. Vielleicht beginnt genau hier dein neuer Weg – zurück zu dir selbst🫶💫.