Ein Leben voller „Emotionaler Entbehrungen“ muss nicht sein

Ich hätte sehr gerne mehr Nähe und Zuneigung in meinem Leben, aber irgendwie wird es mir dann auch sehr schnell zu eng und ich brauche wieder Platz für mich.” Das ist eine typische Aussage, die ich von Patienten höre, die mit der Lebens­falle der „Emotionalen Entbehrung“zu kämpfen haben.

Diese Lebensfalle ist eine der schwierigsten und emotional herausforderndsten, da man immer genau vor den Gefühlen, die man selbst am allermeisten vermisst, zugleich die größte Angst hat. Sie können diese Gefühle durch jene Angst schlichtweg nicht zulassen. Da ist eine Art eingebaute emotionale Blockade, die Sie immer wie­der davon abhält.

Eigentlich hätte man unglaublich gerne eine feste, innige Partnerschaft

Aber sobald es dann passiert, dass jemand wirklich die Nähe bei einem sucht, entstehen sofort Gefühle wie Beklemmung, eingesperrt sein und der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit. Ich weiß, das klingt sehr skurril und sich selbst permanent widersprechend – und genauso ist es auch.

Personen, die in der Lebensfalle der emotionalen Entbehrung leben, haben nie gelernt, wirkliche Nähe und Vertrauen zuzulassen. Die wichtigste Lernphase für emotionale Nähe findet schon sehr bald in unserem Leben statt – in einer Zeit, in der wir noch maximal abhängig von unseren engsten Bezugspersonen sind. Meist ist dies vordergründig die eigene Mama, welche die ersten Lebensmonate bei ihrem Baby zu Hause bleibt – in manchen Fällen, heute immer öfter als früher, kann das aber natürlich auch der Papa sein. In jedem Fall ist es die Person, die sich am meisten um das kleine Kind kümmert. Es ist die Person, zu der ein Baby das Vertrauen aufbaut, dass es getröstet wird, wenn es weint und so seine Bedürfnisse kommuniziert; dass es getragen, gewickelt und gefüttert wird: eine Person, die rund um die Uhr für einen da ist und durch die man das Gefühl ,,Urvertrauen” lernen darf. Es ist die wichtigste Erfahrung eines klei­nen Menschen, sich voll und ganz auf jemanden verlassen zu können und uneingeschränkte Liebe und Fürsorge zu erfahren sowie Nähe erleben zu dürfen.

Deshalb ist es auch so unglaublich wichtig und wertvoll, dass Kinder gestillt werden. Denn so spüren sie auf ein unvergleichbare und nie wieder zu erlernende Art und Weise körperliche Zuwendung und Warme, wie sie nur eine Mama geben kann.

Diese Erfahrungen während der ersten Lebensmonate sind ausschlaggebend dafür, ob wir später ein glückliches Leben führen wer­den oder eines voller emotionaler Entbehrungen, weil wir schon sehr bald lernen mussten, dass es niemanden gibt, der uns emotionale Nähe gibt.

Ein Lebensstil in emotionaler Entbehrung ist vielen Menschen nicht bewusst

Weil sie es selbst nie anders kennengelernt haben. Deshalb denken sie auch, dass so, wie sie ihr Leben führen, alles in Ordnung sei.

Immer wieder neue Beziehungen einzugehen, kein großes Vertrauen zu anderen aufzubauen und nach außen unbeschwert vor sich hin zu leben – das ist die übliche Bewältigungsstrategie. Gepaart mit dem pragmatischen Ansatz, dass immer die anderen Schuld sind. „Ich habe noch nie den richtigen Partner gefunden, weil die alle auch immer so schwierig sind. Ständig wollen sie etwas gemeinsam unternehmen oder gar zusammenziehen und nur noch „zusammen-picken“ wie die Kletten. Ich verstehe das nicht, dass die alle immer so klammern müssen. Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der mich versteht; der versteht, dass ich das alles so nicht will. Es reicht ja wohl, sich hin und wieder mal zu treffen, oder?“

Die Feststellung „Niemand versteht mich“ ist eine klassische Aussage von Menschen im Modus „Emotionaler Entbehrung“. Sie fühlen sich seit ihrer frühesten Kindheit unverstanden und zu wenig ge­liebt, was damals – in welcher konkreten individuellen Form auch immer – auch ganz bestimmt der Fall war. In welcher konkreten individuellen Form auch immer. Feststeht, dass bei all diesen Men­schen in der Kindheit ein Muster entstanden ist, das Nähe und Lie­be heute nicht mehr wirklich zulässt – aus Angst, wieder enttäuscht und verletzt zu werden.

Um dieses Gefühl des „von anderen verletzt zu werden“ nie mehr erleben und emotional aushalten zu müssen, haben diese Personen dann oft eine ganz eigene Strategie entwickelt. Nämlich diese, dass fortan lieber sie alle anderen verletzen, um so selbst nicht mehr verletzt zu werden.

Sie stoßen andere Menschen durch Ihre tief verankerte Abwehrhaltung oft vor den Kopf

Sie stoßen andere Menschen durch ihre Kälte, die sie durch ihr Verhalten ausstrahlen, so sehr vor den Kopf, dass diese irgendwann aufgeben und aus Selbstschutz die Beziehung wieder verlassen.

Weil Ihr Partner in der Beziehung mit Ihnen erfahren musste, dass, ganz egal, wie viel Mühe er / sie sich gibt und wie sehr er / sie auch gehofft hat, dass Sie irgendwann erkennen, was er / sie alles für Sie tut und er / sie Sie niemals verletzen würden, dies alles nichts genützt hat. Sie werden sich nicht öffnen; nie Emotionen zulassen und auch nie wirkliche Nähe. Zumindest so lange nicht, bis Ihnen bewusst wird, dass Sie in der Lebensfalle „Emotionale Entbehrung“ festsitzen und hier alleine nicht mehr rauskommen. Und selbst wenn dieses Bewusstsein dann eintritt, muss es an richtig viel Durchhaltevermögen gekoppelt sein, weil der Prozess, der dann beginnt, nämlich zu lernen sich emotional zu öffnen und Vertrauen und Nähe zuzulassen, ein steiniger Weg wird. Denn Sie müssen die ganzen Jahre vom Kleinkindalter bis jetzt erst sukzessive aufarbeiten, um im ersten Schritt zunächst einmal zu erkennen, wie es zu all diesen emotionalen Entbehrungen überhaupt gekommen ist, wo die Wurzel dieser Lebensfalle liegt.

Sobald Sie diese aber gefunden haben, habe ich dafür eine richtig gute Nachricht für Sie: Ab dann geht es bergauf! Dann haben Sie die größte Hürde und zugleich auch die schmerzhafteste genommen und können nun auf Ihren eigenen Erkenntnissen aufbauen. Und ab dann wird es richtig schön. Versprochen!

In meinem Buch finden Sie Unterstützung, die Wurzeln dieser Lebensfalle zu erkennen. Oder, Sie haben Lust, dass wir uns diese in einem gemeinsamen Coaching ansehen und wir Lösungen definieren, wie Sie diese Lebensfalle für immer verlassen können.

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Dr. Sabine Viktoria Schneider

Dr. Sabine Viktoria Schneider

arbeitet als psychologische Beraterin und Wirtschaftspsychologin in eigener Privatpraxis in der Stadt Salzburg und begleitet im gesamten deutschsprachigen Raum Unternehmen bei Veränderungsprozessen. Ihr Schwerpunkt ist die Schematherapie.

Hierzu schreibt sie regelmäßig Fachartikel und im Zuge ihrer Tätigkeit als Honorardozentin wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Zudem ist sie als Autorin tätig und hält Seminare und Vorträge mit dem Ziel ihren Klienten dabei zu helfen ein neues Bewusstsein zu schaffen und alte Muster loszulassen.

Dazu nutzt Schneider auch gerne die Ansätze der Mind-Body-Psychologie um so eine gesunde Symbiose aus Körper und Geist herzustellen. Ihre holistische Herangehensweise bildet hier einen interdisziplinären Ansatz aus seelischer und körperlicher Gesundheit. Eine Kombination, die heute für uns alle immer wichtiger wird.

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