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Mehr InformationenUnsere frühkindlichen Erfahrungen sind ein bisschen wie das Fundament eines Hauses. Sie bestimmen, wie stabil unser inneres Gebäude später wird, wie sicher wir uns fühlen und welche Muster unser Verhalten prägen. In den ersten Lebensjahren lernen wir also nicht nur, zu sprechen oder zu laufen – nein, wir lernen vor allem, wie die Welt auf uns reagiert. Wir erfahren, ob unsere Bedürfnisse gehört werden, ob unsere Gefühle Platz haben und ob wir von anderen, die uns wichtig sind, angenommen werden, so wie wir sind. Oder aber ob wir stattdessen lernen müssen uns selbst zu beschützen und Schutz-Schemata aufzubauen.
Die Muster, die uns begleiten
Ein Baby kennt noch keine Angst oder Zurückweisung. Doch die Art und Weise, wie seine Umgebung auf es reagiert, formt bereits jetzt seine Sicht auf sich selbst und auf die ganze Welt. Wird es liebevoll umsorgt, erfährt es Verlässlichkeit und Geborgenheit, und wird Vertrauen entwickeln – in sich selbst, andere und in das Leben an sich. Aber wenn die Umwelt nicht immer sicher war, wenn das Baby schon früh Zurückweisung, emotionale Distanz oder gar Ablehnung erfahren hat, dann musste es früh lernen, sich zu schützen. Und hat dafür eigene Strategien entwickelt von denen es dachte dahinter nicht mehr von außen angegriffen und verletzt werden zu können.
Solche unbewussten Strategien entwickeln wir mit der Zeit alle, um so besser mit unserer Umwelt zurechtzukommen. Manche von uns haben beispielsweise gelernt, besonders brav und angepasst zu sein, um so von der eigenen Umgebung geliebt zu werden. Andere haben sich zurückgezogen, weil sie schon sehr bald spürten, dass es sicherer ist, sich nicht zu sehr zu zeigen oder gar aufzufallen. Wieder andere wurden laut und stark, weil sie merkten, dass Schwäche keine Option war. Sie gingen in eine Form der Überkompensation um sich so selbst vor den anderen zu schützen. All diese Muster waren für jeden einzelnen von ihnen früher einmal überlebenswichtig – sie waren unsere Schutzmechanismen, unsere Art, mit dem umzugehen, wobei wir uns unsicher und unwohl geführt haben.
Der innere Schutzpanzer – damals hilfreich, heute hinderlich?
Als Kinder hatten wir damals auch noch gar nicht die Möglichkeit, bewusst zu entscheiden, wie wir mit Situationen umgehen. Unser Gehirn speicherte früher unbewusst ab, welche Verhaltensweisen für uns hilfreich waren, um so Schmerz zu vermeiden oder Anerkennung von anderen zu bekommen. Doch das, was uns damals geschützt hat, begleitet uns oft bis ins Erwachsenenalter – und steht es uns oftmals einfach im Weg.
Vielleicht fällt es uns auch ein Leben lang schwer, echte Nähe zuzulassen, weil wir schon bald gelernt haben, dass Bindung und Nähe immer auch Schmerz bedeuten kann. Vielleicht haben wir aber auch das Gefühl erlernt, immer stark sein zu müssen, weil wir als Kind keine Schwäche zeigen durften. Oder wir sehnen uns nach Anerkennung, weil wir gelernt haben, dass unser Wert immer ganz stark davon abhängt, was wir leisten.
Diese Schutzmechanismen sind allesamt auch gar nicht »falsch«. Sie haben uns stattdessen vielmehr geholfen, dorthin zu kommen, wo wir heute stehen. Doch wenn wir beginnen, zu lernen sie fortan bewusst wahrzunehmen, können wir endlich selbst entscheiden, ob wir sie überhaupt noch wirklich brauchen – oder ob es nicht doch an der Zeit ist, neue Wege zu gehen. Und alte Muster loszulassen.
Die Einladung zur Heilung
Sich selbst mit all diesen Mustern zu erkennen und sie auch zuzulassen, ist ein enorm großer Schritt. Es erfordert viel Mut, hinzuschauen und ganz besonders auch zu verstehen: »Ich bin so geworden, weil ich als Kinde gar keine andere Wahl hatte. Damals waren diese Muster eine Art Überlebensstrategie für mich.« Und genau in dieser Erkenntnis liegt jetzt auch deine Möglichkeit zur Veränderung.
Unser Gehirn, unser Herz und unsere Seele sind ein Leben lang in der Lage, immer wieder neue, gesunde, Erfahrungen zu machen und dadurch alte Wunden zu heilen und Sicherheit in uns selbst zu finden. Im eigenen Ich. Wir können jeden Tag lernen, dass wir nicht mehr kämpfen müssen, um geliebt zu werden. Dass wir nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein.

