Die Bewältigung von Trennungsschmerz – Ein liebevoller Weg zur Selbstheilung

Psychologie

Trennungsschmerz kann in unserem Leben eine der tiefsten und schmerzhaftesten Erfahrungen sein. Der Schmerz fühlt sich oft so an, als würde uns der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Und das in vielen Fällen auch ohne jede Vorwarnung. Wie aus dem Nichts verändert sich das gesamte bisherige gemeinsame Leben. Besonders dann, wenn viel Hoffnung, Liebe und gemeinsame Träume und Pläne bis zu diesem einen Moment das Fundament einer gemeinsamen Zukunft waren ist es für viele Menschen besonders schwer all das loslassen zu müssen. Und die Trennung löst neben dem tiefen Schmerz auch Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut, Trauer, Scham aus. Und Gedanken wie: warum bin ich nicht liebenswert genug, dass mein Partern bei mir bleibt, was hätte ich anders machen müssen, etc..
Doch so schmerzhaft dieser Prozess und all die Fragen und Gefühle am Anfang hier auch auch sind, birgt sie dennoch eine sehr wertvolle Chance für dich. Nämlich die Möglichkeit, dich jetzt selbst auf einer neuen Ebene kennenzulernen und alte Muster zu hinterfragen, heilsame Veränderungen einzuleiten und daran zu wachsen. Deinem eigenen Ich wieder einen Schritt näher zu kommen. Trennungen tun weh, sie tragen aber auch unglaublich viel zu unserem eigenen Wachstum bei. Wir werden aus unserer Komfortzone gestupst und das kann mächtig weh tun. Wir müssen lernen wieder aufzustehen und uns umzuschauen in welche Richtung es jetzt weitergehen kann. Aber eines ist sicher. Es wird weitergehen. Und es wird schön. Denn jedem Neubeginn wohnt auch ein Zauber inne. Wir müssen nur zulassen und langsam lernen den Zauber auch zu erkennen und wahrzunehmen.

In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, wie du deinen eigenen Trennungsschmerz bewältigen kannst. Dabei nutzen wir Erkenntnisse aus der Schematherapie und der Psychodynamik, die dir zeigen, warum Trennungen oft so sehr schmerzhaft sein können und welche unbewussten Muster unseren dabei Heilungsprozess beeinflussen.

Warum tut Trennung so weh?

Wenn wir eine Trennung erleben, spüren wir in diesem Moment nicht nur den Verlust der Person, sondern spüren oft auch sehr tiefe seelische Wunden, die weit über die aktuelle Beziehung hinausreichen. Und an die wir uns schon lange nicht mehr erinnern. Weil wir sie zugedeckt haben und eigentlich nie mehr daran denken wollten. 
In der Psychodynamik spricht man hier davon, dass frühkindliche Erfahrungen und Bindungsmuster unser gesamtes Erleben und Verhalten in Beziehungen ein Leben lang stark prägen. Und wenn wir dann aus unserer Komfortzone gestupst werden passiert es, dass sich unsere Seele plötzlich wieder an früher erinnert. Und auf den Schmerz den wir gerade erleben müssen noch einen zusätzlichen alten Schmerz oben drauf legt.

Wenn du als Kind zum Beispiel zu wenig emotionale Sicherheit erfahren hast, könnte eine Trennung im hier und jetzt deine tiefe Kindheits-Angst vor dem Verlassenwerden oder vor deiner eigenen Wertlosigkeit aktivieren – wenn du als Kind den Glaubessatz übernommen hast, nicht wertvoll genug zu sein, um so geliebt zu werden wie du bist. Beispielsweise weil sich deine Eltern haben scheiden lassen und beide Elternteile so in ihrem eigenen Schmerz gefangen waren, dass sie dir nicht mehr ausreichend gezeigt haben wie unterbau liebster du bist und du für dich dachtest, dass es daran liegt nicht liebster genug zu sein. Was selbstverständlich nicht stimmt. Ein Kind aber nicht wissen kann, dass das Verhalten der Eltern nur darauf beruht den eigenen Schmerz nicht verarbeiten zu können. Das aber ganz und gar nichts mit der Liebe für ihre Kinder zu tun hat. Sie haben es in diesem Moment aber leider nicht besser gelernt. Sie sind gefangen in der eigenen Trauern. 
Dein Schmerz ist dann also nicht nur der gegenwärtige Verlust deiner Partnerschaft, sondern zugleich auch das Wiederaufleben eines sehr alten, aber bis heute ungelösten Traumas.

Andere Menschen wiederum erleben Trennungen hingegen als absolute Erleichterung oder Befreiung. Ganz besonders dann, wenn sie in der aktuellen Beziehung emotionale Vernachlässigung oder toxische Dynamiken erlebten. Und die Trennung für sich als positive Flucht aus einem für sie ungesunden System erleben. Doch auch hier können sich dahinter unbewusste führer erlernte Muster zeigen. Etwa ein tief verinnerlichter Glaubenssatz wie: „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden“ – und bevor es wie früher wieder weh tut, steige ich aus diesem System lieber aus. Wenn ich gehe können mich andere nicht mehr verletzen…
All diese inneren Muster arbeiten in uns ganz im Verborgenen und beeinflussen unsere Emotionen viel stärker, als wir zunächst wahrnehmen. Bevor sie uns bewusst werden leisten sie in unserer Unbewussten nämlich schon ganz Arbeit. 
Deshalb ist es auch so wichtig, sich bewusst mit diesen Überzeugungen über das eigenen Ich auseinanderzusetzen, um den Trennungsschmerz jetzt nicht nur zu überstehen, sondern wirklich zu verarbeiten. Und daran zu reifen.

Verborgene Muster erkennen und durchbrechen

Die Schematherapie, entwickelt von Jeffrey Young, verbindet dabei Erkenntnisse der kognitiven Verhaltenstherapie mit psychodynamischen und bindungstheoretischen Ansätzen. Das klingt jetzt wahrscheinlich eher kompliziert als lösungsorientiert. Dem ist aber nicht so… Versprochen! Basierend auf diesem Wissen können wir jetzt nämlich feststellen, wie tief verankerte innere Überzeugungen, unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen.
Viele Menschen tragen, wie schon kurz beschrieben, völlig unbewusst stark destruktive Schemata in sich, die durch eine Trennung jetzt ganz besonders stark getriggert werden können.

Hier sind einige typische Beispiele:

Das Verlassenheits-Schema: Die Angst, von geliebten Menschen allein gelassen zu werden, kann in einer Trennung überwältigend stark werden. Was zu dem Versuch führen kann alles dafür zu tun um nur nicht verlassen zu werden.
Das Minderwertigkeits-Schema: Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, kann durch eine gescheiterte Beziehung verstärkt werden. Und die Angst nicht liebenswert zu sein bleibt unverarbeitet immer im Vordergrund stehen und beeinflusst alle weiteren Beziehungen negativ.
Das Misstrauens-/Missbrauchs-Schema: Wer in der Vergangenheit enttäuscht oder betrogen wurde, empfindet nach einer Trennung meist verstärkt den Glauben: „Ich kann niemandem wirklich vertrauen.“ Was dazu führen kann nach einer Trennung aus Angst vor weiteren Verletzungen für immer alleine zu bleiben.

Diese sogenannten Schemata, von denen es noch viele mehr gibt (wenn dich dieses Thema interessiert solltest du mein Buch „Raus aus dem emotionalen Kindergarten“ lesen 🤓, formen sich in der Regel bereits in unserer Kindheit und beeinflussen dann ein Leben lang, wie wir uns in unseren späteren Beziehungen verhalten. Wer zum Beispiel ein starkes Verlassenheits-Schema erlernt hat, neigt später möglicherweise dazu, sich unbewusst in Beziehungen immer emotional abhängig zu machen. Oder wer das Misstrauens-Schema in sich trägt, hält Partner vielleicht immer auf Abstand, aus Angst vor weiteren Verletzungen.
Das Erkennen dieser eigenen Muster ist ein ganz wichtiger und essenzieller Schritt zur Heilung. Denn erst wenn wir verstehen, dass unser Schmerz nicht nur aus der aktuellen Trennung stammt, sondern auch aus alten seelischen Wunden, können wir beginnen, endlich bewusster und liebevoller mit uns selbst umzugehen.

Wege zur Heilung: Wie du mit Trennungsschmerz umgehen kannst

1. Erlaube dir selbst, wirklich zu trauern
Ganz viele Menschen versuchen, ihren Schmerz nach einer Trennung schnell zu unterdrücken um so nichts mehr spüren zu müssen. Doch Emotionen brauchen immer Raum. Sonst machen wir nichts anderes als diese zu unterdrücken. Bis sie später dann wieder aufbrechen. Und genau das werden sie so lange machen und immer ein Stück weit schmerzhafter und intensiver bis wie es endlich verstehen, dass sie Raum brauchen. 
Deine Trauer ist ein absolut natürlicher Prozess, den du unbedingt zulassen sollten – sie zeigt dir nämlich, dass etwas für dich wichtig war. Erlaube dir also bitte, zu weinen, wütend und enttäuscht zu sein. Gefühle wollen immer tatsächlich gefühlt werden, damit sie sich lösen können! Ansonsten besteht die große Gefahr, dass sie sich negativ behaftet festsetzen und bei dir bleiben.

2. Achte auf dein inneres Kind
Beim Ansatz der Schematherapie sprichen wir oft auch von unserem inneren Kind – dem sehr verletzlichen, emotionalen Teil in uns, der durch eine Trennung besonders berührt wird. Vielleicht fühlt sich ein Teil in dir jetzt klein, verlassen oder nicht liebenswert. Wenn das so ist, stell dir bitte vor, wie du mit mit diesem wertvollen Teil in dir so sprichts, wie du mit einem traurigen Kind sprechen würdest: liebevoll, tröstend und verständnisvoll. Doer würdest du ein kleines trauriges Kind so behandeln, wie du es vielleicht gerade mit dir selbst tust. Und sagst ihm Dinge wie „Kein Wunder, du bist einfach nicht liebswert“… wohl eher nicht…

3. Erkenne deine eigenen Beziehungsmuster
Nimm dir jetzt die Zeit ganz in Ruhe zu reflektieren, welche Muster sich in deinen vergangenen Beziehungen vielleicht immer wieder wiederholt haben. Hast du dich schon früher als Kind oft unsicher gefühlt? Hast du dich und deine Bedürfnisse selbst oft zurückgestellt? Oder gab es immer wieder einmal sich wiederholende Konflikte mit deinen Eltern, Geschwistern, Mitschülern…? Diese Erkenntnisse können dir jetzt helfen, die ungesunden zugrundeliegenden Muster zu erkennen und in Zukunft gesündere Beziehungen aufzubauen. In denen du DU selbst sein darfst. Und dir das auch selbst erlaubst.

4. Löse dich von der Idealisierung
Nach einer Trennung neigen viele Menschen oft dazu, den Ex-Partner fortan zu idealisieren. Sie erinnern sich nur noch an die schönen Momente, sehen den früheren Partner durch die rosarotes Brille und übersehen dabei ganz die Dinge, die nicht funktioniert haben. Wenn dir das bekannt vorkommt erstelle bitte ein Liste auf der du auch die Dinge aufzählst die dich früher gestört haben. Von denen du dir wünscht, dass sie dein nächster Partner nicht auch hat. Und skizziere so auch gleich die Eigenschaften die du dir von einem Partner wünscht und schau dann noch mal ganz neutral auf diese Liste und überlege ob dein Ex-Partner wirklich all diese Eigenschaften hatte.

5. Baue Selbstfürsorge in dein Leben ein
Trennungsschmerz braucht immer nicht nur eine emotionale Verarbeitung, sondern auch ganz viel aktive Selbstfürsorge. Stell dir selbst bitte einmal die Fragen: Was tut mir jetzt gut? Was würde ich mir wünschen, dass jetzt jemand anderes für mich tut? 
Vielleicht deine Leibspeise aus deiner Kindheit, ein langer Spaziergang in der Natur, ein gutes Buch, ein lustiger Film, deine Lieblingsserie, Sport, oder eine kreative Aktivität? 
Baue alles was dir gut tut für die nächste Zeit jedenfalls fix in deinen Tagesablauf ein. Denn kleine Rituale der Selbstliebe helfen dir, schneller wieder bei dir und auch in dir selbst anzukommen.

6. Arbeite an deinem Selbstwert
Ganz viele Menschen erleben nach einer Trennung leider immer auch einen Einbruch ihres Selbstwertgefühls. Die Wahrheit ist aber: Dein Wert hängt kein bisschen von einer anderen Person ab. Du bist vollkommen, genau so, wie du bist. Mach dir das bitte immer wieder bewusst! Dein Selbstwert definiert sich niemals über andere! Werde dir deiner eigenen Selbstwirksamkeit bewusst und wirke! Das kannst du ganz alleine. Dafür brauchst du niemanden anderen!

7. Suche dir eine liebevolle Begleitung und Unterstützung, wenn du sie brauchst
Es ist völlig in Ordnung, sich Hilfe von außen zu holen. Sei es durch Gespräche mit Freunden, deiner Famile, oder eine psychologische Begleitung. Der Austausch mit anderen kann viel Trost spenden und dir neue Perspektiven eröffnen. Jetzt ist nicht der Moment sich alles mit dir alleine auszumachen und alleine traurig zu sein. Jetzt ist der Moment Menschen die dich lieben und die, die dich gezielt begleiten und liebevoll unterstützen wollen in dein Leben zu holen.

Zeit für einen Neubeginn

So schmerzhaft eine Trennung auch ist, sie bietet dir eine wunderschöne und wertvolle Möglichkeit für deine Selbstentwicklung. 
Ganz viele Menschen berichten, dass sie nach ihrer Trennung nicht nur emotional gewachsen sind, sondern auch ihr Leben bewusster und erfüllter gestaltet haben. Das kannst du genauso!

Nutze diese Zeit jetzt, um dich selbst besser kennenzulernen und überlege dir bitte:
Wer bin ich unabhängig von einer Beziehung? Erst bin ich ganz unabhängig von meinem Ex-Partner?
Was wünsche ich mir wirklich in meinem Leben?
Was täte ich, wenn ich wüßte, dass ich nicht scheitern kann? Wie würde mein Leben dann aussehen?
Welche meine Muster möchte ich in Zukunft unbedingt verändern? Und wie kann ich selbst erkennen, wenn ich trotzdem wieder einmal in so eine ungesundes Muster falle?

Merke dir bitte, dass eine Trennung nie das Ende ist. Sie ist lediglich ein Übergang in eine neue Phase deines Lebens. Eine Phase, in der du die allerwichtigste Beziehung deines Lebens stärken kannst. Nämlich die Beziehung zu dir selbst.