Warum geraten wir immer wieder in die gleichen problematischen Situationen?

Psychologie

Manchmal wiederholen sich in unserem Leben Muster, die uns unglücklich machen und innerlich stressen. Trotzdem wiederholen wir sie… Wir geraten immer wieder in die gleichen schwierigen Beziehungen, kämpfen mit Selbstzweifeln oder stoßen Menschen unbewusst von uns weg, obwohl wir uns eigentlich ihre Nähe wünschen. Warum passiert uns das immer wieder?

Die Antwort darauf liegt in unseren ganz tief verankerten eigenen Überzeugungen, die wir über uns selbst, über andere und die Welt an sich gebildet haben – und das meist schon in der Kindheit. Diese früher einmal gefassten inneren Glaubenssätze und Überzeugungen nennt man in der Psychologie „Schemata“. Die du dir sozusagen, wie unsichtbare Landkarten in deinem Inneren vorstellen kannst, und die dich unbewusst durch dein Leben steuern. Sie haben dir früher einmal geholfen, mit deiner Außenwelt und bestimmten Situationen besser zurechtzukommen. Doch heute, in deinem Erwachsenen-dasein, können sie dich immer wieder blockieren. Denn den Schutz den du als Kind gebraucht hast und wofür du dir diesen Schema-Schutzpanzer einst zulegt hast, bräuchtest du heute eigentlich gar nicht mehr. Das hat dein Gehirn aber noch nicht realisiert und reagiert in einigen Situationen deshalb heute noch genauso wie damals in deiner Kindheit.

Die häufigsten Schemata und ihre Auswirkungen

Unsere Prägungen beeinflussen ein Leben lang unser Denken, Fühlen und Handeln.
Hier sind einige der häufigsten Schemata, die oftmals für unser Verhalten verantwortlich sind:

  1. Das Verlassenheits-Schema: Die Angst, allein gelassen zu werden
    Menschen mit diesem Schema fürchten permanent, dass enge, für sie wichtige, Bezugspersonen sie verlassen könnten. Deshalb fühlen sie sich in Beziehungen schnell unsicher, klammern sich an andere oder aber ziehen sich vorsorglich zurück, um nicht wieder verletzt zu werden. Beides kann aber eine tiefe emotionale Einsamkeit erzeugen.
  2. Das Unzulänglichkeits-Schema: „Ich bin nicht gut genug“
    Diese Überzeugung führt zu einem ständigen Gefühl von Minderwertigkeit. Betroffene versuchen hier oftmals, durch sehr viel Perfektionismus Anerkennung von außen zu bekommen – oder sie sabotieren sich selbst, aus Angst, zu versagen. So aber bleibt der Schmerz des „Nicht-genug-Seins“ immer bestehen.
  3. Das Misstrauens-Schema: Die Erwartung, verletzt zu werden
    Wer früh erlebt hat, dass das eigene Vertrauen enttäuscht wurde, rechnet auch später vorsorglich immer wieder mit Enttäuschungen. Manche Menschen ziehen sich deshalb immer mehr zurück, um sich zu schützen. Andere kontrollieren ihre eigene Umgebung übermäßig genau, in der Hoffnung vermeintliche Verletzungen so vermeiden zu können indem sie diese notfalls rechtzeitig erkennen. Echte Nähe bleibt so aber in beiden Fällen auf der Strecke.
  4. Das Unterwerfungs-Schema: Eigene Bedürfnisse werden hintenangestellt
    Wer gelernt hat, dass seine Wünsche nicht wichtig genug sind um beachtet zu werden, stellt sich selbst oftmals ein Leben lang immer hinten an. Um so die Harmonie zu wahren, sagt sie immer wieder „Ja“, obwohl sei im eigenen Innen ein klares „Nein“ fühlen. Das führt dann in der Regel zu Frustration, Selbstaufgabe und dem Gefühl, von allen anderen schon wieder nicht gesehen zu werden.
  5. Das Versagungs-Schema: Angst, nicht erfolgreich genug zu sein
    Diese Prägung kann mit der Zeit zu ständigem Druck und einer massiven dauerhaften Überanstrengung führen – aus der Angst heraus, nicht zu genügen. Oder aber es entsteht überhaupt ein allgemeines Vermeidungsverhalten: Man traut sich selbst irgendwann gar nichts mehr zu und gibt immer gleich vorschnell auf. Beides verhindert aber, dass man sein eigenes Potenzial tatsächlich lebt und nutzt.

Wie du dein Schema erkennst und umprogrammierst

Die gute Nachricht: Deine Schemata sind aber zum Glück nicht in Stein gemeißelt. Sie können von dir bewusst erkannt, verändert und aufgelöst werden.

Hier sind drei Schritte, die dir helfen, dein eigenes Muster zu durchbrechen:

Schritt 1: Bewusstwerden – Wann tritt das Muster auf?
Achte auf Situationen, in denen du emotional stark reagierst oder immer wieder in ähnliche Schwierigkeiten gerätst. Frage dich dabei:

  • Welches Schema könnte hier am ehesten wirken?
  • Welche Überzeugung über mich oder andere steckt hier wahrscheinlich dahinter?

Schritt 2: Emotionale Arbeit – Dein inneres Kind heilen

Schemata sind immer auch ganz tief in unserem emotionalen Gedächtnis verankert. Deshalb reicht es nicht, sie nur rational zu erkennen – du musst sie auch auf einer tieferen Ebene heilen. Das bedeutet:

  • Mitgefühl für dein jüngere Ich entwickeln, das diese Überzeugung einst einmal zum eigenen Schutz gebildet hat.
  • Dir bewusst machen: Damals war es ein Schutz, aber heute ist es nicht mehr nötig.
  • Dir selbst erlauben, neue, heilsame Erfahrungen zu machen, auch wenn es sich zuerst ungewohnt anfühlt.

Schritt 3: Verhalten ändern – Neue Entscheidungen treffen
Sobald wir unser Muster erkennen, können wir bewusst anders handeln.

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