Was ist Psychosomatik? Die Verbindung zwischen Körper & Psyche

Psychosomatik

Hast du schon einmal erlebt, dass du vor einer wichtigen Prüfung vor einige Tage vorher Bauchweh bekommst und diese Richtung Prüfungstermin immer schlimmer werden? Oder dass du bei Stress Nacken- und Kopfschmerzen bekommst? Vielleicht kennst du auch jemanden, der immer wieder unter Rückenschmerzen oder Verdauungsproblemen leidet, obwohl hierfür trotz einiger Untersuchungen keinerlei organische Ursache gefunden wurden. All diese Phänomene haben immer eines gemeinsam. Sie zeigen uns ganz genau, wie eng unser Körper mit unserer Psyche verbunden ist. Immer wenn es unserer Psyche zu viel wird, wir ihr aber nicht zuhören und ihre und somit auch unsere eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen beginnt sie über unseren Körper mit uns zu sprechen. Und darüber manchmal sogar zur Ruhe zu zwingen. Weil uns unser Körper einschränkt ständig nur weiterzulaufen und zu funktionieren anstatt auch einmal zu reflektieren, ob wir überhaupt noch am richtigen Weg sind und in die für uns selbst bestimmte Richtung laufen. Oder nur noch dorthin wo uns andere haben wollen oder wir auch selbst denken dort hinlaufen zu müssen.
Die Psychosomatik ist mittlerweile ein eigenes medizinisches Fachgebiet, das sich wissenschaftlich mit genau dieser Verbindung aus Körper und Seele befasst. Sie beschreibt, wie psychische Belastungen körperliche Beschwerden verursachen können und umgekehrt, wie auch körperliche Erkrankungen unsere Psyche beeinflussen. Es ist ein permanentes Zusammenspiel dem es gilt Aufmerksamkeit zu schenken und zuzuhören. Unser Körper und unsere Psyche sagen uns immer, was sie brauchen, wir haben nur verlernt ihnen zuzuhören.
Doch wie funktioniert diese Wechselwirkung in der Praxis? Warum reagiert unser Körper so empfindlich auf emotionale Belastungen? Und was können wir tun, um psychosomatische Beschwerden zu lindern oder gar zu vermeiden? In diesem Artikel schauen wir uns die Psychosomatik gemeinsam an. Verständlich erklärt und mit praktischen Erkenntnissen und Beispielen aus dem echten Leben.

Was genau bedeutet Psychosomatik?

Der Begriff „Psychosomatik“ setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen:
Psyche („Seele, Geist“) und Soma („Körper“)
Zusammen beschreibt Psychosomatik also die enge Wechselwirkung zwischen Körper und Geist. Und besagt, dass unsere Gedanken, Gefühle und insbesondere auch unbewussten Ängste immer direkte Auswirkungen auf unseren Körper haben können.
Die Medizin unterscheidet grob drei Arten von psychosomatischen Reaktionen:

  1. Psychische Belastungen, die sich körperlich äußern
    Ein Beispiel: Du leidest unter chronischem Stress und bekommst regelmäßig Spannungskopfschmerzen. Würdest du genauer hinsehen würdest auch selbst bemerken, dass die Schmerzen bei mehr Stressaufkommen immer stärker werden und in etwas stressfreieren Zeiten weniger. Vielleicht bleiben sie auch Urlaub sogar einmal ganz weg… Weil Stress für dich aber ebenso wie deine Kopfschmerzen schon zum Leben dazugehören, denkst du nicht so bewusst über den Zusammenhang nach davon abgeleitet tatsächlich etwas zu verändern sondern trägst weiterhin deine Kopfschmerztabletten griffbereit mit dir herum.
  2. Körperliche Erkrankungen, die die Psyche beeinflussen
    Eine Beispiel: Wenn du chronische Schmerzen hast, kann das deine Lebensqualität so einschränken, dass du zu Depressionen oder Ängsten neigst. Was du beides traurig akzeptierst ohne der Sache auf den Grund zu gehen, wo die chronischen Schmerzen aus psychologischer Sicht in dir selbst ihren Ursprung haben.
  3. Die wechselseitige Verstärkung von Körper und Psyche
    Ein Beispiel: Du hast Rückenschmerzen und entwickelt aus Angst vor Bewegung eine Schonhaltung, was dir mit der Zeit aber zu weiteren Schmerzen führt, weil du durch die Schonhaltung deinen Bewegungsapparat falsch belastest. Ebenso geht es vielleicht auch deiner Seele mit den falschen Belastungen, die du dir von außen aufbürden lässt und für die du schon lange im Vorfeld deinen eigenen geraden Weg verlassen hast und dir immer so viel aufladen hast lassen, dass es zu Rückenschmerzen geführt hast, weil deine Seele diese Last nicht mehr so gut tragen kann.

Psychosomatik per se bedeutet aber bitte niemals, dass die Beschwerden nur „eingebildet“ sind, weil es dafür keinen organischen Befund gibt. Das ist nämlich oft eine Vermutung des eigenen Umfeldes und oftmals auch von einem selbst. So ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil! Die Symptome sind auch bei psychosomatischen Beschwerden absolut real, aber ihre Ursache liegt nun mal nicht nur im Körper, sondern ganz besonders und vordergründig auch in psychischen Prozessen.

Wie beeinflusst unsere Psyche unseren Körper denn jetzt genau?

Unser Nervensystem, unser Hormonhaushalt und unser Immunsystem sind ganz eng miteinander verbunden. Wenn wir also einen emotionalen Stress erleben, reagiert auch unser Körper sofort darauf. Meist, ohne dass wir das bewusst steuern können oder auch bewusst wahrnehmen.
Das vegetative Nervensystem als Verbindungsglied
Unser Körper wird unter anderem durch das vegetative Nervensystem gesteuert. Dieses System reguliert all unsere unbewussten Körperfunktionen wie unsere Atmung, Verdauung und unseren Herzschlag und besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  1. Sympathikus (der dafür zuständig ist, dass unser Körper bei Gefahr in Alarmbereitschaft versetzt wird)
  2. Parasympathikus (der dafür sorgt, dass unser Körper wieder zur Ruhe kommt)

Wenn wir unter Stress stehen, sei es durch Ängste, Sorgen oder auch emotionale Belastungen, aktiviert sich immer sofort der Sympathikus. Dabei schüttet unser Körper Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Diese Reaktion war in der Evolution damals für uns Menschen noch überlebenswichtig, weil sie uns in Gefahrensituationen auf Flucht oder Kampf vorbereitete. Doch unser modernes Leben heute ist, im Gegensatz zur Steinzeit, voller permanenter Stressfaktoren, die nicht mehr wie damals mit einer direkten kurzfristigen Lebensbedrohung wie bspw. dem Besuch eines Säbelzahntigers verbunden sind. Heute haben wir Stressoren wie einen ständigen hohen Arbeitsdruck, Beziehungsprobleme oder Zukunfts- und oftmals sogar Existenzängste. Doch unser Körper reagiert noch immer mit der gleichen biologischen Stressreaktion wie damals in der Steinzeit. Da die Gefahr bei uns jedoch nicht vorbei geht, sondern daraus vielmehr ein chronischer Zustand wird kann diese unaufhörliche Alarmbereitschaft mit der Zeit zu psychosomatischen Beschwerden führen.

Hormonelle Auswirkungen: Wie Stress den Körper belastet
Dauerstress kann unseren Hormonhaushalt ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen. Besonders das Stresshormon Cortisol spielt dabei eine besonders zentrale Rolle. Kurzfristig hilft es uns, unsere Energien zu mobilisieren. Doch auf Dauer kann es sehr negative Folgen haben:

  • Es schwächt unser Immunsystem, wodurch wir anfälliger für Infekte werden.
  • Es kann Entzündungen in unserem Körper fördern und Schmerzen noch zusätzlich verstärken.
  • Es beeinflusst unseren Stoffwechsel, was zu Magen-Darm-Problemen führen kann.

Der Einfluss der Psyche auf das Immunsystem
Studien zeigen, dass psychischer Stress die Funktion unseres Immunsystems massiv schwächen kann. Menschen mit chronischem Stress oder ungeklärten und auch unbewussten emotionalen Konflikten haben viel häufiger Infekte, Autoimmunerkrankungen oder allergische Reaktionen.

Welche psychosomatischen Beschwerden gibt es?

Psychosomatische Beschwerden können sich auf sehr vielfältige Weise äußern. Bei Erwachsenen und ebenso auch schon bei Kindern. Typische Symptome hier sind beispielsweise:

  • Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Reizdarm, Magenschmerzen, Übelkeit)
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Rückenschmerzen oder Muskelverspannungen
  • Herz-Kreislauf-Probleme (z. B. Herzrasen, Engegefühl in der Brust)
  • Atembeschwerden (z. B. das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen)
  • Hautausschläge oder Juckreiz
  • Chronische Müdigkeit oder Schlafstörungen

Viele dieser Symptome können natürlich schon auch organische Ursachen haben, weshalb eine medizinische Abklärung immer ausnahmslos nötig ist. Wenn jedoch keine körperliche Ursache gefunden wird, liegt die Vermutung nahe, dass psychosomatische Faktoren eine große Rolle spielen.

Fallbeispiele aus dem Alltag

Um etwas anschaulicher zu verdeutlichen, wie Psychosomatik im Alltag denn nun wirklich aussieht, schauen wir uns zwei Beispiele an:

Julia hat Magenprobleme durch emotionalen Stress

Julia ist eine 35-jährige Lehrerin. Sie liebt ihren Beruf, aber in letzter Zeit fühlt sie sich immer öfter überfordert. Immer häufiger hat sie Magenschmerzen und Verdauungsprobleme, obwohl der Arzt bei ihr keine körperliche Ursache finden kann.
Nach einem Gespräch mit einer Psychotherapeutin wird ihr klar: Ihre Beschwerden treten immer besonders dann auf, wenn sie sich überlastet und dadurch hilflos und überfordert fühlt. Sie lernt sich mit ihren eigenen Ressourcen auseinandersetzen und zu erkennen, wann dieses Gefühl der Überforderung genau auftritt und worauf ihr Verhalten beruht keine Grenzen zu setzen und auch einmal Aufgaben abzugeben, anstatt permanent nur zu funktionieren und dabei den Spaß an der Arbeit zu verlieren. Und aufzudecken welche unbewussten dysfunktionalen Muster diesem oftmals selbstaufopfernden Verhalten zu Grunde liegen. Julia beginnt zudem auch Entspannungstechniken wie Atemübungen und Yoga für sich zu nutzen, um sich bewusst entspannen zu können. Und mit der Zeit verbessern sich ihre Symptome. Sie ändert grundlegende Dinge in ihrem Berufsleben weil sie gelernt hat ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und dysfunktionale frühere Muster aufzulösen.

Markus hat starke Rückenschmerzen hervorgerufen durch seine innere Anspannung

Markus arbeitet in einem sehr anspruchsvollen Job. Dabei hat er oft das Gefühl, immer funktionieren zu müssen und für alles verantwortlich zu sein, und nimmt sich kaum mehr Zeit für sich selbst. In den letzten Monaten leidet er unter starken Rückenschmerzen, doch die Untersuchungen zeigen keine organische Ursache.
Ein Gespräch mit seinem Physiotherapeuten bringt ihn auf eine Spur ins eigene Ich. Seine Muskeln sind ständig so angespannt, weil er innerlich nie zur Ruhe kommt. Er denkt von früh bis spät an seine Arbeit, was er noch alles erledigen muss, welche Verantwortungen er alleine zu tragen hat, etc.… Mit gezielten Entspannungsübungen und einer bewussten Reduktion von Stress – er führt ein offenes Gespräch mit seinem Vorgesetzten, wo er fortan Unterstützung braucht, und Bereiche abgeben muss, um weiterhin in seiner gewohnten Qualität arbeiten zu können – verbessern sich seine Beschwerden allmählich. Er lernt vom hilflosen Kinder-Ich ins gesunde Erwachsenen-Ich zu wechseln und sich selbst bewusst zu werden, wo seine verdeckten früheren Muster aus seiner Kindheit liegen, die es zulassen sich so sehr unter Stress setzen zu lassen und auch selbst immer noch mehr unter Stress zu versetzen. Und er lernt Grenzen einzuziehen zwischen seiner tatsächlichen Arbeit und sämtlichen zusätzlichen Verantwortungen, die sich in den letzten Jahren leise still und heimlich eingeschlichen haben und ihm im Endeffekt die Freude am eigenen Tun genommen haben.

Was kann man gegen psychosomatische Beschwerden tun?

Sobald wir erkennen, dass unsere Psyche eine enorm wichtige Rolle bei unseren körperlichen Beschwerden spielt, können wir beginnen aktiv dagegen steuern. Hier einige Ansätze:

  • Stressmanagement: Methoden wie Yoga oder Atemübungen helfen dir, dein Nervensystem zu beruhigen.
  • Bewusstes Körpergefühl entwickeln: Progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitstraining helfen dir, Verspannungen zu lösen.
  • Psychotherapeutische Unterstützung: Eine Therapie kann dir helfen, deine emotionalen Belastungen zu bearbeiten und zugrundeliegende verdeckte / unbewusste Muster aufzudecken.
  • Bewegung und Sport: Körperliche Aktivität hilft dir, deinen Stress abzubauen und die innere Balance wiederherzustellen.
  • Soziale Unterstützung: Gespräche mit Freunden oder Familienmitgliedern können dir eine gute emotionale Entlastung und Unterstützung bringen.

Unser Körper und unsere Psyche sind untrennbar miteinander verbunden

Die Psychosomatik zeigt uns, dass unser Körper niemals losgelöst von unseren Gedanken und Emotionen ist. Stress, Angst, ungelöste und insbesondere auch unbewusste innere Konflikte können sich in körperlichen Beschwerden ausdrücken. Und umgekehrt kann eine körperliche Erkrankung auch unsere Psyche schwer belasten.
Doch das bedeutet nicht, dass wir diesen Prozessen hilflos ausgeliefert sind. Ganz im Gegenteil! Wer die psychosomatischen Zusammenhänge für sich selbst erkennt, kann ganz gezielte Wege finden, um seinen Stress abzubauen, emotionale Belastungen zu verarbeiten und die eigene Gesundheit wieder aktiv zu stärken.
Denn letztendlich gilt immer der Grundsatz: Ein gesunder Geist fördert einen gesunden Körper und umgekehrt.